Strukturwandel und Fusionen Führen sie immer zu Arbeitsplatzverlusten?
Fallbeispiel Chemisch-Pharmazeutische IndustrieZürich, 17. Februar 2004Der Strukturwandel in der Industrie in den 90er-Jahren ging auch an der chemisch-pharmazeutischen Industrie nicht spurlos vorüber. Restrukturierungen, Fusionen, Akquisitionen und Ausgliederungen führten zu einer Verlagerung und zu einem temporären Abbau von Arbeitsplätzen. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) hat im Sommer 2003 eine Untersuchung durchgeführt mit dem Ziel, die Beschäftigungsentwicklung seit 1995 in der chemisch-pharmazeutischen Industrie für die Nordwestschweiz und die Schweiz insgesamt zu analysieren, um damit einen sachlichen Beitrag zur kontroversen Diskussion über die Beschäftigungsfolgen von Fusionen zu liefern. Die Resultate beruhen auf Statistiken des Bundesamtes für Statistik (BFS) und auf einer von der KOF im Frühjahr 2003 durchgeführten schriftlichen Befragung.
Es zeigt sich, dass die Beschäftigungsentwicklung der befragten Unternehmen grundsätzlich ähnlich wie die des Industriesektors bzw. der chemisch-pharmazeutischen Industrie insgesamt verläuft. Für die Periode zwischen 1995 und 2000 ist bei den befragten Unternehmen sowohl für die Region Nordwestschweiz als auch für die Schweiz insgesamt eine Beschäftigungsabnahme zu konstatieren, ab 2000 stieg die Beschäftigung jedoch wieder deutlich an. Ab 2001 weisen die befragten Unternehmen im Vergleich zur Industrie eine bessere Beschäftigungsperformance auf. Gründe dafür liegen in den Restrukturierungsmassnahmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie während der 90er-Jahre, die sich ab 1999/2000 positiv auf die Beschäftigungsentwicklung auswirkten.
Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft erweist sich das Beschäftigungswachstum bei den befragten Unternehmen als unterdurchschnittlich. Dies ist aber weitgehend auf den Strukturwandel in Richtung Dienstleistungsgesellschaft zurückzuführen. Zwischen 1999 und 2001 verzeichneten die befragten Unternehmen jedoch eine stärkere Beschäftigungszunahme als die Dienstleistungsbranchen.
Das bereits hohe und trotzdem zwischen 1999 und 2003 noch wachsende durchschnittliche Qualifikationsniveau der Arbeitnehmer in den befragten Unternehmen deutet auch für die Zukunft auf eine steigende Wertschöpfung in der Branche hin. Ebenfalls deutlich über dem Mittel der Industrie und der Schweizer Wirtschaft insgesamt liegt die Produktivität der chemisch-pharmazeutischen Industrie.
Studie und Präsentationsunterlagen (Folien) können als PDF-Dokumente unter www.kof.ethz.ch, Button "news" abgerufen werden. |