Arzneimittelmarkt Schweiz: Stark abgeschwächtes WachstumBern, 28. Februar 2003
Der Arzneimittelmarkt Schweiz nahm im Jahr 2002 deutlich geringer zu als in den Vor-jahren. Nach ersten Berechnungen dürfte sich das Wachstum auf die Sozialversiche-rungs-Rechnung 2002 mit 5 bis 5,5% auswirken. Kostendämpfend wirkten sich der Mengenrückgang, der stark gewachsene Generikamarkt sowie die Preissenkungen auf älteren Arzneimitteln aus.
Der Arzneimittelmarkt Schweiz nahm im vergangenen Jahr zu Herstellerabgabepreisen um 6,6% auf CHF 3,644 Milliarden zu. Damit schwächte sich das Wachstum im Vergleich zu den Vorjahren stark ab: 2001: +9,6%, 2000: +7,8%, 1999: +9,7%. Berechnungen der Vereinigung der Importeure Pharmazeutischer Spezialitäten (VIPS), der Interpharma und der Schweizeri-schen Gesellschaft für Chemische Industrie (SGCI) auf Grund der heute vorliegenden Daten zeigen, dass das Arzneimittelwachstum zulasten der Sozialversicherungs-Rechnung 2002 zwischen 5 und 5,5% betragen dürfte. Der Grund für das geringere Wachstum zu Publikums-preisen ist das am 1. Juli 2001 eingeführte leistungsabhängige Abgeltungsmodell (LOA), das im vergangenen Jahr voll zum Tragen kam. Mit dem Wachstum zu Herstellerabgabepreisen von 6,6% bewegt sich die Schweiz im weltweiten Durchschnitt von 7%. In Grossbritannien, den Niederlanden und in Spanien belief sich das Wachstum im Jahr 2002 auf 10%, in Deutschland auf 8%, in Italien auf 3% und Frankreich auf 2%.
Kostendämpfende Ursachen
Kostendämpfend wirkten sich in der Schweiz der Mengenrückgang (-1,8%), die Preissenkun-gen auf älteren Arzneimitteln (CHF 10 Millionen Einsparungen im Jahr 2002, seit 1996 über CHF 250 Millionen) und der stark gewachsene Generikamarkt aus (+15,8% auf CHF 102,7 Millionen zu Herstellerabgabepreisen). Allerdings ist das Potenzial im Generikamarkt noch nicht ausgeschöpft. Weil sich die Generikahersteller selektiv auf wenige umsatzstarke Arz-neimittel fokussieren, belief sich der Anteil im generikafähigen Markt im Jahr 2002 auf neu 7,1% (Vorjahr: 6,6%). Die theoretische Maximalberechnung der Arzneimittelindustrie zeigt, dass bei einer vollständigen Ausschöpfung des potenziellen Marktes durch die Generika-hersteller jährliche Einsparungen zu Herstellerabgabepreisen in der Höhe von zirka CHF 115 Millionen erzielt werden könnten.
Wachstum durch neue, innovative Arzneimittel
Zum Wachstum trug in erster Linie der gestiegene Anteil an neuen, innovativen Arzneimitteln mit höherem therapeutischen Nutzen bei. Diese verteuern zwar die Arzneimitteltherapie, er-lauben aber gleichzeitig direkte und indirekte Einsparungen im Gesundheitswesen (zum Bei-spiel durch weniger und kürzere Spitalaufenthalte) und in der Volkswirtschaft (zum Beispiel durch verkürzte Absenzen infolge Krankheit). Der Ersatz älterer durch neue Arzneimittel führte 2002 zu einer Zunahme des Herstellerabgabepreises der durchschnittlichen Packung um 8,6% auf CHF 19.77.
Überdurchschnittliches Wachstum im Spitalsektor
Im Spitalsektor nahm das Arzneimittel-Wachstum im Vergleich zu den anderen Distributions-kanälen mit 18,4% überdurchschnittlich zu. Der Anteil am gesamten Arzneimittelmarkt beträgt zu Herstellerabgabepreisen 18,4%. Der Grund für diese Entwicklung ist auf markante Steige-rungen in den Therapiebereichen Krebs, Infektionen und Transplantationen zurückzuführen. Entsprechend nahm der durchschnittliche Herstellerabgabepreis pro Packung im Spital um 9,5% zu. Ein weiterer Grund ist das überdurchschnittliche Mengenwachstum im Spitalsektor um 8% im Vergleich zum Vorjahr. Schliesslich wirkte sich das am 1. Januar 2002 in Kraft ge-setzte Heilmittelgesetz aus, das nur noch sehr restriktiv betriebswirtschaftlich gerechtfertigte Rabatte erlaubt. Diese dürfen im Gegensatz zur Aussage des Preisüberwachers an seiner letzten Jahrespressekonferenz von den Arzneimittelfirmen nur nach betriebswirtschaftlichen Kriterien, die Art. 33 der HMG entsprechen, ausgehandelt werden, ein Ziel, das mit dem neu-en Heilmittelgesetz klar verfolgt wird. Der dadurch verursachte Kosteneffekt wird für das Jahr 2002 auf CHF 35 bis 50 Millionen geschätzt. Der leicht über dem Durchschnitt liegende An-stieg des Anteils der selbst dispensierenden Ärzte um 8,1% ist auf die Zunahme der Anzahl Arztpraxen zurückzuführen.
Zusammenstellung der Marktdaten
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