SGCI Generalversammlung 2003
Für mehr Lehrlingsausbildung, kritisch gegenüber der EU-ChemikalienpolitikDomat/Ems, 20. Juni 2003"Verantwortung übernehmen Taten statt Worte" war das Motto der 121. Generalversammlung der SGCI Chemie Pharma Schweiz (Schweizerische Gesellschaft für Chemische Industrie), die am 20. Juni 2003 in Domat/Ems stattfand.
In seiner Ansprache rief der SGCI-Präsident Dr. Rudolf Wehrli alle Firmenmitglieder auf, ihre Anstrengungen bei der Lehrlingsausbildung in Zukunft noch zu verstärken. Dieses Engagement sei nicht bloss eine Pflichterfüllung, die von der Oeffentlichkeit wohlwollend zur Kenntnis genommen wird, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Nur so kann die sich abzeichnende Verknappung bei Chemikanten, Laboranten und Laboristen vermieden werden. Dass sich Lehrlingsausbildung längerfristig wirtschaftlich auszahlt, legte Wehrli anhand der Beispiele von Novartis und Bachem dar; vor allem aber ist das duale Berufsbildungssystem ein wesentlicher Standortvorteil der schweizerischen Industrie, den es unbedingt zu erhalten gilt.
Dass die Industrie entsprechend dem Leitsatz "Taten statt Worte" handelt, belegen die herausragenden Leistungen der SGCI-Firmen bei der freiwilligen Reduktion der CO2-Emissionen. So haben die CO2-Emissionen der chemischen und pharmazeutischen Industrie zwischen 1990 und 1999 um 17 % abgenommen, während sich die Produktion im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt hat. Selbst wenn für den Zeitraum 1990 bis 2010 eine Produktionssteigerung von 170 % angenommen wird, also fast eine Verdreifachung, so rechnen die Experten immer noch mit einer Senkung der CO2-Emissionen um 14 %. Die Einführung einer CO2-Abgabe ist damit unnötig.
Die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie in Europa wird durch die geplante neue EU-Chemikalienpolitik massiv geschwächt. Auch die Firmen in der Schweiz müssten durch das bürokratische REACH-System (Genehmigungsverfahren für Chemikalien mit einer Jahresproduktion von über einer Tonne) erhebliche Mehrkosten verkraften. Bei Stoffen, die nur in kleinen Mengen hergestellt und gehandelt werden, wie dies für die hochspezialisierten schweizerischen Firmen typisch ist, wiegt der Aufwand für die behördliche Zulassung besonders schwer. Dass sie im gleichen Boot wie die Konkurrenten aus der EU sind, ist nur ein schwacher Trost. Ferner wies Wehrli darauf hin, dass die neue Regelung auch die Verwender oder Verarbeiter von Chemikalien betrifft, weil sich die in Europa bezogenen Chemikalien verteuern und die in Drittländern hergestellten Konkurrenzprodukte diese Mehrkosten beim Import nach Europa nicht zu tragen haben. Aufwendige und bürokratische behördliche Zulassungsverfahren, welche das Schutzniveau des Menschen und der Umwelt nicht verbessern, werden von der SGCI bekämpft.
Die Präsidialansprache und das Gastreferat ist unter www.sgci.ch abrufbar.
SGCI Chemie Pharma Schweiz Schweizerische Gesellschaft für Chemische Industrie Dr. Beat Moser Tel. 01 368 17 11 |