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Präsidialansprache

von Dr. Rudolf Wehrli
anlässlich der 122. ordentlichen Generalversammlung
der SGCI Chemie Pharma Schweiz vom 18. Juni 2004 in Basel

Sehr geehrte Damen und Herren

Soll der Bund seine Ausgaben für Bildung, Forschung und Technologie in den kommenden Jahren um 4, 5 oder sogar 6 % pro Jahr steigern? An dieser einfachen Frage erhitzten sich im vergangenen Jahr auch die Gemüter innerhalb der SGCI. Wie lässt sich das hohe Ausbildungsniveau in der Schweiz halten und sogar noch steigern, wenn angesichts des desolaten Zustandes der Bundesfinanzen eigentlich weitere Kürzungen der Budgetmittel angezeigt wären?

Der Vorstand der SGCI setzte sich zum Ziel, zu dieser Frage eine eigene Stellungnahme zu erarbeiten, da das Thema für unsere von Forschung und Innovation geprägte Industrie von zentraler Bedeutung ist. Dazu  setzte er entsprechend den politischen Gebräuchen in diesem Land eine Arbeitsgruppe ein. Diese zog externe Experten bei, wie zum Beispiel den ehemaligen Präsidenten des Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierates, Herrn Prof. Gottfried Schatz, und erarbeitete über die letzten Monate ein umfassendes Positionspapier zur Bedeutung der wissenschaftlich-technischen Innovation für die Leistungsfähigkeit der schweizerischen chemischen und pharmazeutischen Industrie.

Lassen Sie mich kurz die Ausgangslage nochmals in Erinnerung rufen, bevor ich auf die konkrete Fragestellung eingehe. Die chemische und pharmazeutische Industrie in der Schweiz – Sie alle wissen es - ist seit Jahrzehnten erfolgreich und leistet einen wichtigen Beitrag zur schweizerischen Volkswirtschaft. Dazu einige Fakten:

  • Unsere Branche ist besonders dynamisch. Das Produktionswachstum verzeichnete im Zeitraum 1980-2001 ein durchschnittliches Jahreswachstum von 12,5 %, während die Gesamtindustrie nur 2,4 % jährlich zulegen konnte. Die Arbeitsproduktivität konnte in der chemischen und pharmazeutischen Industrie seit 1980 markant gesteigert werden.
  • Der Anteil der chemischen und pharmazeutischen Industrie am gesamtschweizerischen Export hat seit 1980 kontinuierlich zugenommen und beläuft sich heute auf ca. 1/3 der gesamten Exporte.
  • Mit rund 63'500 Arbeitnehmern ist die chemische und pharmazeutische Industrie der zweitgrösste industrielle Arbeitgeber in der Schweiz. Dabei wird überdurch-schnittlich viel qualifiziertes Personal beschäftigt. So beschäftigt die Branche über 8'000 hochqualifizierte Personen in der Forschung.

Vor diesem Hintergrund sehen wir uns als in besonderem Masse berechtigt, über die Innovationsstrategie als bisheriges Erfolgsrezept zu sprechen. Der wirtschaftliche Erfolg unserer Industrie ist ihrer konsequenten Spezialisierungs- und Innovationsstrategie zu verdanken. Schon früh hat der Mangel an Rohstoffen diese Industrie in der Schweiz gezwungen, ihre Tätigkeiten auf die Herstellung spezialisierter Chemikalien auszurichten, die mit hoher Wertschöpfung verbunden sind. Einige Zahlen sollen auch dies verdeutlichen.

  • Die schweizerische chemische und pharmazeutische Industrie hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich in Richtung höherwertiger Produkte entwickelt, wie beispielsweise Pharmazeutika, Diagnostika, Feinchemikalien, Riech- und Aromastoffen, Pflanzenschutzmittel, Saatgut und industrielle Spezialitätenchemikalien. Dabei ist insbesondere die pharmazeutische Sparte wichtiger geworden; ihr Anteil an den Gesamtexporten der chemischen und pharmazeutischen Industrie ist seit 1980 von 40 % auf 68,5 % gewachsen.
  • Die Unternehmen unserer Industrie investieren einen sehr erheblichen, im industriellen Umfeld deutlich überdurchschnittlichen Anteil ihres Umsatzes in die Forschung und Entwicklung neuer und innovativer Produkte und Verfahren. Die Firmen gehen damit ein hohes unternehmerisches Risiko ein und sind deshalb auf ein berechenbares und verlässliches rechtliches Umfeld angewiesen.
  • Insgesamt beliefen sich die Forschungsausgaben der chemischen und pharmazeutischen Industrie allein in der Schweiz im Jahr 2000 auf CHF 3,4 Milliarden. Dies entsprach mehr als einem Drittel der gesamten privaten Forschungsgelder der schweizerischen Industrie.

Ihnen gegenüber brauche ich es eigentlich nicht zu betonen, aber unsere Politiker neigen gelegentlich dazu, es zu vergessen: der wirtschaftliche Erfolg unserer Industrie ist keineswegs für alle Zeiten gesichert. Wer dieses noch glauben möchte, wird durch den eingetretenen Bedeutungsverlust der deutschen pharmazeutischen Industrie in den letzten Jahren eindrücklich eines anderen belehrt. Auch dass mehr als ein Viertel des Umsatzes der Unternehmen mit Produkten erzielt wird, die jünger als 5 Jahre sind, weist deutlich auf die Marktdynamik und auf die damit verbundene Fragilität des Erfolgs hin. Die hochwertigen schweizerischen Spezialprodukte stehen Tag für Tag in einem zunehmend härteren weltweiten Wettbewerb, der immer stärker von der Technologie der Produkte mitbestimmt wird; bei vielen Produkten herrscht ein ausgeprägter Innovationswettbewerb.

Im weltweiten Innovationswettbewerb wird der Markterfolg in hohem Masse durch die wissenschaftlich-technische Forschung und Entwicklung bestimmt. Ausgehend von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und Methoden (insbesondere in Physik, Chemie, Biologie und Medizin) versuchen unsere Unternehmen laufend, neue hochwertige Produkte, verbesserte Produktionsverfahren und neuartige Methoden in Organisation, Marketing und Logistik zu entwickeln. Nur so können sie auf den Weltmärkten den Vorsprung auf die Konkurrenz halten und ausbauen. Was es braucht, sind neue Produkte, Prozesse oder Organisationsformen, die bestehende oder künftige Kundenbedürfnisse besser befriedigen als die Angebote der Konkurrenten.

Um erfolgreich zu bleiben, müssen die Unternehmen somit eine Innovationskultur pflegen. Innovationen sind ja nicht nur vom wissenschaftlichen Niveau einzelner Spitzenforscher abhängig, sondern werden von der Qualifikation der gesamten Belegschaft und vom industriellen Umfeld des Unternehmens mitbestimmt. Auch die Akzeptanz naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden bzw. die generelle Risikobereitschaft einer Volkswirtschaft bestimmen in hohem Masse, in welchem Land innovative Forschung und Entwicklung stattfinden können.

In dieser Situation ist es schon beinahe trivial, wenn wir auch bestimmte Forderungen an den Staat richten, aber keine Sorge: wir wollen kein Geld aus der Bundeskasse, wir fordern bloss, dass der Staat seinen Teil zur Schaffung eines innovationsfreundlichen Umfeldes leistet. Es ist ja weithin unbestritten, wenn wir fordern, es sei von den Bildungsinstitutionen Exzellenz in Ausbildung und Forschung anzustreben. Zuweilen scheint mir, wir wären uns alle auf diesem abstrakten Nenner zu schnell einig. Im Sinn eines Diskussionsbeitrages will ich daher im zweiten Teil meiner Ausführungen einige Thesen aufstellen, die an Tabus unserer Bildungspolitik rühren, die selten hinterfragt werden.

1. These: Nicht die Quote der Mittel- und Hochschulabsolventen ist Match-entscheidend, sondern ein auf Spitzenleistung ausgerichtetes Bildungssystem auf allen Ebenen.

Immer wieder hören wir die Kritik, die zentrale Schwäche des schweizerischen Systems sei die im internationalen Vergleich viel zu tiefe Quote der Maturanden an einem Jahrgang. In der Schweiz beträgt diese Quote nämlich bloss 19 %, während England stolze 37 % erreicht und gemäss Plänen der Labour Party diese sogar auf 50 % erhöhen sollte.

Solche eingängigen Vergleiche lassen allerdings völlig ausser Betracht, dass unser Land über ein gut ausgebautes Lehrlingswesen verfügt und viele jüngere Berufsleute sich über Berufsmaturität und Fachhochschulen weiterbilden. Es ist wohl kein Zufall, dass sich Deutschland und Oesterreich mit der Schweiz die letzten Plätze dieser Statistik teilen, kennen doch auch diese Nachbarländer ein gut entwickeltes Lehrlingswesen. Gerade unser duales System der Berufsbildung ist und bleibt ein wichtiger Standortvorteil der Schweiz. Denn je mehr wir uns auf hohe Wertschöpfung der Produkte konzentrieren, um so mehr brauchen wir hochqualifizierte Berufsleute, auch und gerade in der Produktion: fehlen die Lehrlinge, fehlen uns die Meister, die Fachhochschulabsolventen, die Abteilungsleiter und schliesslich auch ein qualifiziertes mittleres Kader. Reisst diese Kette an irgendeiner Stelle, so wird die ganze Konzeption und die Erfolgspositionen unserer Branche in Frage gestellt.

Die simple Gleichung "mehr Mittel- und Hochschulabsolventen eines Jahrgangs = bessere Voraussetzungen für den ist nichtWirtschafts- und Industriestandort" ist gar zu eingängig, aber schlicht falsch. Aus der Sicht unserer Branche geht es vielmehr um eine ausgewogene Förderung aller Ausbildungsgänge auf höchstem Niveau. Entscheidend ist dabei natürlich auch die Sicherstellung der Durchlässigkeit. Letztlich ist das optimale Funktionieren des gesamten Bildungssystems zentral.


Dies bringt mich zu meiner
2. These: Der gezielte Einsatz der finanziellen Mittel ist massgebend, nicht allein der möglichst hohe und wachsende Anteil der Mittel.

"Je mehr Geld um so besser" ist ein kaum je hinterfragtes Axiom in der Bildungspolitik, die Ausgaben, und zwar alle, sind sakrosankt, denn Bildungsausgaben gelten ja als Investitionen in die Zukunft. Sparen ist kein Thema, und selten thematisiert jemand die nicht unbeträchtliche Fehlallokation dieser Bildungsausgaben. Wo denn? wird man gefragt. Ich nenne Ihnen einige Bespiele:

  • Die Selektion findet in der Schweiz zu spät statt. Anstatt in der Mittelschule, zu der alle drängen – und damit die Qualität der Sekundarschule aushöhlen – findet die Selektion erst auf der Hochschulstufe statt. Es kann doch nicht unser Ziel sein, 30 % bis 40 % eines Jahrgangs mit einem Maturitätszeugnis auszustatten, um dann in den ersten Jahren an der Hochschule eine strenge Selektion durchführen zu müssen. Dieses Vorgehen ist schlicht unverantwortlich. Denn junge Menschen werden durch unseren fehlenden Mut zur notwendigen und frühzeitigen Selektion in ihren Hoffnungen enttäuscht und volkswirtschaftlich verschwenden wir wertvolle Ressourcen. Gymnasien müssen ihre Aufgabe, frühzeitig zu selektionieren, wieder erfüllen.
  • Die Studiendauer in der Schweiz beträgt durchschnittlich knapp 6 Jahre bis zu einem ersten Abschluss. In keiner Fakultät wird im Durchschnitt vor 5 Jahren ein Lizenziat erreicht, obwohl die Reglemente dies durchaus zulassen. Mag sein, dass unsere Studenten da und dort ein vertieftes Wissen mitbringen, aber gegenüber ihren Kollegen und Kolleginnen aus angelsächsischen Ländern, die mit 22 oder 23 Jahren in die Berufswelt übertreten und wichtige Erfahrungen sammeln können, erleiden unsere Jungen im internationalen Umfeld einen oft entscheidenden Nachteil.
  • Wir sind immer noch beim Thema "Fehlallokation von Mitteln"
    Zu viele Studenten brechen in der Schweiz ihre Studien vorzeitig ab. Die Quote der Studienabbrecher beträgt in unserem Land durchgängig 20 % und mehr. Am besten schneiden noch die Naturwissenschaften und technischen Wissenschaften mit einer Quote 20 – 26 % ab, am schlechtesten die Wirtschaftswissenschaft mit 30 % und die Geisteswissenschaften mit über 40 %. Diese Zahlen sind übrigens nicht geschlechtsspezifisch: Frauen brechen nicht oder in einzelnen Studienrichtungen nur geringfügig häufiger ab als ihre männlichen Kollegen.
  • Unsere Hochschulpolitik setzt keine oder leider oft falsche Schwerpunkte im Studienangebot. Bilden wir denn in der Schweiz wirklich die richtigen Leute aus, jene nämlich, die künftig einen Beitrag zu Innovation und Wertschöpfung leisten werden? Die ketzerische Frage stellen, heisst auch ernsthafte und leider begründete Zweifel hegen. Schon ein flüchtiger Blick in die Hochschul-Statistik belegt, dass der Anteil der in der Wirtschaft gefragten Naturwissenschafter und Ingenieure in den letzten Jahren sich rückläufig entwickelt, während gleichzeitig Tausende von Geisteswissenschaftern ausgebildet werden, die – glaubt man auch hier der offiziellen Statistik – nach ihrem Abschluss durchschnittlich über ein Jahr keine Anstellung finden. Finden sie schliesslich eine solche – übrigens häufig beim Staat -, so kümmern sie sich in der Regel nicht um Innovation, nicht um die Schaffung von Werten im internationalen Wettbewerb, sondern um Umverteilung von Werten, die von andern auf den weltweiten Exportmärkten geschaffen wurden.

    Wohl lässt sich einwenden, dass die Ausbildung dieser Geisteswissenschafter verhältnismässig günstig sei, nämlich bloss etwa ein Drittel der Kosten verursache, die für Naturwissenschafter notwendig sind. Dieser Einwand übersieht aber das Faktum, dass die tatsächlichen volkswirtschaftlichen Kosten dieser Ausbildungsgänge oft erst nach dem Abschluss anfallen, wenn der soziale Betreuungsaufwand steigt, wenn die professionellen Betreuer – sich gegenseitig unterstützend - ständig neue Betreuungsangebote als unabdingbar darstellen. Der Zusammenhang ist nicht neu: der deutsche Soziologe Helmut Schelsky hat ihn vor 30 Jahren bereits thematisiert in einer noch heute sehr lesenswerten Publikation "Die Arbeit tun die anderen".


Dies führt mich zu meiner
3. These: Der schweizerische Bildungsföderalismus muss im Interesse einer Spitzenposition in Innovation und Forschung überwunden werden.

Der heutige Bildungsföderalismus ist eine historische Bürde, an der wir heute schon schwer tragen, die uns aber morgen erdrücken wird. Wenn wir nicht in die 2. oder 3. Liga absteigen wollen, dann müssen wir diese Last abschütteln und den überlebten Bildungsföderalismus überwinden. Ich erkläre mich.

  • Der Bildungsföderalismus ist Quelle einer extremen Komplexität der Entscheidungsmechanismen in unserem tertiären Bildungssystem. Unterschiedliche Trägerschaften, Einflüsse aus entfernten Ecken, verschlungene Organisationsstrukturen, kaum zu durchschauende Entscheidungsstrukturen, das alles ist  eine treffliche Illustration der alten Volksweisheit "viele Köche verderben den Brei". Ein System, wie unser heutiges, das nicht effizient die richtigen Entscheide treffen kann, das sich nicht selbst zeitgerecht und zweckmässig organisiert und die zur Verfügung stehenden Mittel effizient einsetzt, ein solches System als Lebewesen in der freien Natur wäre akut vom Aussterben bedroht, hat keine Chance im Wettbewerb.
  • Gemäss der Maxime der mittleren Unzufriedenheit und nach gut eidgenössischer Praxis werden heute die Mittel in aller Regel gleichmässig mit der Giesskanne verteilt, keine noch so exotische Pflanze im universitären Paradiesgarten soll zu kurz kommen. Solange der Hochschulföderalismus nicht grundsätzlich in Frage gestellt wird, dürfen wir daher kaum mit wesentlichen Aenderungen, mit echter Schwerpunktsetzung rechnen. Als erfreuliches und sehr unterstützungswürdiges Gegenbeispiel möchte ich hier die Universität Basel erwähnen, die mit der Abschaffung von Slawistik und Geologie und einigen weiteren Nebenfächern anderen Hochschulen den richtigen Weg weist. Wussten Sie übrigens, dass man in der Schweiz an 7 Hochschulen Slawistik, an 9 Theologie, an 7 Archäologie studieren kann? Wem ist bewusst. dass an schweizerischen Hochschulen 7 x Altphilologie, 8 x Geologie und 10 x Jurisprudenz angeboten wird? Wundert es da noch, dass zahlreiche Abteilungen und Fakultäten in unserem kleinen Land bloss eine nur unterkritische Grösse erreichen? Diese Vervielfachung des Angebotes führt zu einer enormen Zersplitterung der Kräfte, die nur durch ein Mehr an Führung überwunden werden kann. Was es also braucht, ist der Mut von Hochschulleitungen, "Orchideenfächer", die international keine herausragenden Leistungen erbringen und keine gesellschaftlich relevanten Werte schaffen, in der Schweiz aufzugeben oder doch mindestens stark zu reduzieren und zusammenzuführen. Nur durch eine klare Fokussierung und Schwerpunktbildung ist es möglich, Spitzenleistungen in den naturwissenschaftlichen Disziplinen zu sichern. Das Giesskannenprinzip führt im wissenschaftlichen Wettbewerb ins Abseits.
  • Indessen, ich will möglichen Missverständnissen vorbeugen: Die Priorisierung unter den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen ist keine Absage an das Konzept der mittelalterlichen "Universitas". Seit dem Mittelalter sind aber die räumlichen Distanzen stark geschrumpft, d.h. ohne Mühe kann heute das gesamte schweizerische Mittelland als ein einziger Hochschulstandort angesehen werden. Weshalb sollten wir denn in der Schweiz eine wesentlich höhere räumliche Dichte von Hochschulen haben als in den Grossräumen von Paris, London oder Berlin? Die einzelnen Hochschulstandorte in der Schweiz können sich so als Teil einer einzigen "Hochschule Schweiz" verstehen und sich entsprechend auf ihre heutigen Stärken ausrichten und erkannte Schwachstellen, im Klartext: nur durchschnittlich gute Fachabteilungen, Departemente oder Fakultäten beseitigen. Jede Hochschule kann so ihr eigenes Profil für bestimmte Fachrichtungen festlegen und dabei durchaus Teil der Universitas litterarum bleiben.


Mit einer 4. handlungsorientierten These möchte ich abschliessend zum Ausgangspunkt meines Referats zurückkommen:
4. These: Der Bund soll ein leistungsbezogenes Finanzierungssystem für alle Hochschulen schaffen, welches die Schwerpunktsetzung in der Hochschullandschaft fördert und langfristig sichert.
Dieses Finanzierungssystem wird  - Im Rahmen der Wissenserweiterung - kontinuierlich höhere Mittel erfordern, d.h. ein überdurchschnittliches Wachstum der Mittel der öffentlichen Hand für den Hochschulsektor ist gerechtfertigt. Hingegen ist die Gefahr nicht von der Hand zu weisen: Wenn wir in der Schweiz nicht Grundsätzliches an unserem Bildungswesen ändern und das Durchwursteln zum Konzept erheben, werden wir sehr bald unseren internationalen Spitzenrang in der Forschung verlieren. Damit wirklich etwas geschieht, braucht es der Dramatik adäquate, harte Massnahmen in Form einer zentralen und leistungsbezogenen Finanzierung aller schweizerischen Hochschulen. Der Schlüssel für die Mittelzuweisung soll nicht nur Studierendenzahlen, sondern auch Anzahl der Diplome und Doktorate sowie die Qualität von Lehre und Forschung berücksichtigen. Der Schlüssel soll insbesondere die thematische und regionale Fokussierung der Hochschulen unterstützen.  Unterdurchschnittliche Leistungen einzelner Departemente, Institute oder Hochschulen sollen umgehend zur Verringerung der zugeteilten Mittel führen, im Gegenzug soll es den Hochschulen ermöglicht werden, ihre Studenten nach Qualität und Anzahl selbst auszusuchen und auch substantiell höhere Studiengebühren als heute zu verlangen.

Mag sein, dass einzelne meiner Thesen etwas provokativ waren. Dennoch hoffe ich, dass sie als konstruktiv und weiterführend aufgenommen werden, vor allem aber, dass sie im Interesse des Wirtschaftsstandortes Schweiz möglichst bald umgesetzt werden.