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Die "Chemie": ein bedeutender Wirtschaftszweig

Die chemische und pharmazeutische Industrie stellt in der Schweiz einen wichtigen Wirtschaftszweig dar. Mit rund 63600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (2002) ist sie nach der Maschinenindustrie der zweitgrösste industrielle Arbeitgeber. Der Exportüberschuss von über 17 Milliarden Franken pro Jahr (2002) weist auf ihre hohe internationale Verflechtung hin. Die Ausfuhren erstrecken sich über alle Erdteile. Die weltweiten Aktivitäten zeigen sich auch darin, dass in rund einem Drittel aller Staaten der Welt Produktionsstätten der schweizerischen chemischen Industrie stehen.
Gezwungen von der Rohstoffarmut in der Schweiz und getrieben vom Erfindergeist hat die chemische Industrie von Anfang an keine Massenware, sondern Spezialitäten produziert, die mit einer hohen Wertschöpfung verbunden sind. So erreicht der Weltjahresbedarf für einzelne Wirkstoffe oft nur gerade einige Kilogramm. Diese Spezialitätenstrategie ist der Schlüssel zum Erfolg. 
Das Produktesortiment der schweizerischen chemischen Industrie ist ausserordentlich reichhaltig. Insgesamt wird die Anzahl der kommerziell verwerteten Substanzen auf über 30 000 geschätzt. Die Palette reicht von Shampoobestandteilen, über Leder- und Papierbehandlungsmittel, von fotografischen Produkten und Kunststoffen hin zu Aromen, Farbstoffen, Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Klebstoffen. Die "Umsatzriesen" der chemisch-pharmazeutischen Industrie sind jedoch die Arzneimittel mit einem Anteil von über 55 Prozent. Die Bedeutung der Farbstoffe und Agrochemikalien ist in den letzten Jahren gesunken. Ihr Anteil liegt heute unter 5 Prozent des Gesamtumsatzes. Nur durch ständige Innovation und neuartige Produkte kann die Branche die internationale Wettbewerbsfähigkeit aufrechterhalten. Deshalb wird Forschung und Entwicklung in der "Chemie" grossgeschrieben. Mehr als ein Drittel der privatwirtschaftlichen Forschungsaufwendungen in der Schweiz leistet die chemisch-pharmazeutische Industrie.
Die Erforschung neuer Wirkstoffe und die Entwicklung umweltverträglicher Verfahren verschlingt riesige Summen, pro Arbeitstag über 30 Millionen Franken. Bis beispielsweise ein Medikament zur Marktreife entwickelt ist, vergehen nicht nur rund 10 bis 12 Jahre, es können auch Forschungs- und Entwicklungskosten von über 1 Milliarde Franken anfallen!





Auch die Schweiz hat Nobelpreisträger!

Die Schweiz scheint ein gutes Pflaster für erfolgreiche Chemiker zu sein. Wer die Liste der Nobelpreisträger durchgeht, wird auf einige Schweizer Forscher treffen, die diesen wichtigsten Wissenschaftspreis für die Entwicklungen im Umfeld der Chemie in Empfang nehmen durften.
Entdeckungen des Zürcher Chemieprofessors Alfred Werner (Nobelpreis 1913) haben insbesondere die anorganische Chemie weitergebracht. Paul Karrer konnte den Nobelpreis 1937 für die Isolierung der Vitamine A und K in Empfang nehmen. Er stellte auch das Vitamin E und ein Vitamin aus der B-Reihe erstmals künstlich her. Leopold Ruzicka (Nobelpreis 1939) gelang in seinem Labor die Synthese von Sexualhormonen. Der an der Universität Basel tätige Tadeusz Reichstein erhielt 1950 den Nobelpreis für die Herstellung von Vitamin C und Cortison. Vladimir Prelog untersuchte an der ETH Zürich die räumliche Struktur organischer Moleküle (Nobelpreis 1975). Der Basler Professor Werner Arber wurde 1978 geehrt für die Entwicklung einer Methode, die den Start der Gentechnik bedeutete. Heinrich Rohrer (Nobelpreis 1986) entwickelte zusammen mit dem Deutschen Gerd Binnig das Rastertunnelmikroskop, das einen bisher unbekannten Einblick in die atomare Welt ermöglicht. Gleich im nächsten Jahr wurde der Nobelpreis wieder einem Schweizer verliehen: Karl Alex Müller entdeckte zusammen mit Georg Bednorz Supraleiter, durch welche Strom auch bei höheren Temperaturen widerstandslos fliesst, eine Revolution in der Energieübertragung. 1992 erhielt der ETH-Professor Richard Ernst den Nobelpreis für die Weiterentwicklung einer Methode, welche die analytische Chemie revolutionierte. 2002 schliesslich wurde der Nobelpreis für Chemie an den ETH-Professor für Biophysik Kurt Wüthrich für seine Forschung zur Weiterentwicklung der kernmagnetischen Resonanz (NMR) auf Proteine verleihen.